Es war einmal …

… Spiel, Spaß und Balljunkies

Nachfolgend mein neuer Artikel  – aktuell auch zu finden im Bello Ausgabe 1/2014.
Bello – Das Magazin für Hundefreunde im MK & Hagen

fsit_by_Maja Dumat_pixelio.deKennen Sie solche Aussagen wie: ‚Hunde spielen nicht.‘ oder ‚Ich spiele nicht mit meinem Hund, sonst verliert er noch den Respekt vor mir.‘ oder ‚Wenn ich schon mit ihm spiele, muss ich immer gewinnen, denn wenn ich ihn auch noch gewinnen lasse, wird er dominant.‘ Oder sind Sie vielleicht selbst überzeugt, dass Ihr Hund durch ein ausgelassenes Spiel mit Ihnen weniger Respekt vor Ihnen haben würde?

Warum ist Spiel so wichtig?

Woher stammen diese Ammenmärchen? Um nichts anderes handelt es sich nämlich in diesem Fall. Ich behaupte das Gegenteil! Hunde spielen! Mein Hund verliert im Spiel nicht den Respekt vor mir. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber dann bitte genau hinsehen! Ja, es gibt auch Hunde die nicht spielen. Dafür gibt es meistens einen Grund. Und wenn es den Anschein hat, dass mein Hund im Spiel mit mir den Respekt verliert, muss ich mir eher eine andere Frage gefallen lassen. Nämlich, wie es generell zwischen mir und meinem Hund aussieht, wenn es um Respekt geht. Weiter behaupte ich, im Spiel mit meinem Hund schaffe ich Bindung und somit Vertrauen. Und letztlich, ja, mein Hund darf im Spiel mit mir gewinnen. Haben Sie Kinder? Dann spielen Sie sicherlich auch mit ihnen und ich muss Ihnen nicht erklären, dass Kinder keinen großen Spaß am Spiel haben und kaum motiviert sind, wenn sie häufig verlieren.

7 Gründe, mit Ihrem Hund zu spielen!

  1. Spiel stärkt unser Miteinander. Es schafft Nähe und Vertrauen. Grundsätzlich führen Berührungen, die Ihr Hund als angenehm empfindet, zu einer Ausschüttung des Hormons Oxytocin. Das ist im Übrigen bei uns Menschen ganz genauso! Entscheident sind dabei Intensität und Dauer der Berührung. Dieses Bindungs- oder auch Kuschelhormon genannt, ist der Gegenspieler von Hormonen, die bei Streß ausgeschüttet werden. Es beeinflusst soziale Interaktionen und wird mit Liebe, Ruhe und Vertrauen in Verbindung gebracht. So liegt es nah, dass dieser sogenannte ‚Sozialkleber‘ auch oder vor allem im körperbetonten Spiel ausgeschüttet wird und somit das Bindungsverhalten zwischen Ihnen und Ihrem Hund nachhaltig positiv beeinflusst.
  2. Spiel macht Erziehung überflüssig. Im Spiel existieren keine Grenzen. Ihr Hund darf Sie zum Spielen auffordern und Sie dürfen ihn auch (z. Bsp. beim Zerren) gewinnen lassen. Er darf häufig gewinnen, nur so kann doch seine Spielmotivation erst aufrechterhalten oder noch gesteigert werden. Dieses freie Spiel bildet das Gegengewicht zur Führung, die Sie Ihrem Hund an anderer Stelle geben und erleichtert diese dadurch sogar! Wenn Ihr Hund Sie als gleichwertigen Spielpartner kennenlernt, wird er sich auch auf Sie als Führungspersönlichkeit leichter einlassen. Wenn er Ihnen im Spiel vertraut, ist das schon die halbe Miete!
  3. Spiel dient natürlich auch dem körperlichen Training, denn dabei werden sowohl die Kondition als auch die Muskeln Ihres Hundes trainiert. Ein junger Hund wird so fit fürs Leben. Sie übrigens ganz nebenbei auch!
  4. Im Spiel lernt Ihr Hund soziale Regeln und Konventionen. Ihr Jungspund trainiert im Spiel Frustrationstoleranz und Impulskontrolle und erlernt so beispielsweise auch die Beißhemmung.
  5. Gerade bei Welpen und heranwachsenden Hunden wird im Spiel noch das Gehirn trainiert. Hierbei geht es vor allem um räumliche Orientierung und Koordination von feinmotorischen Abläufen und Bewegungen.
  6. Zudem sollte das Spiel allen Beteiligten Spaß machen! Dann wird beim Spiel das Hormon Dopamin ausgeschüttet – im Volksmund auch bekannt als Glückshormon. Nach kurzer Zeit wird Ihr Hund motiviert sein, von sich aus Spiel einzufordern. Und wir alle wünschen uns doch einen motivierten Hund, der gerne in unserer Nähe ist und bleibt. Das erreichen Sie nur, wenn Sie wichtiger für Ihren Hund sind, als der Hase oder das Reh.
  7. Letztlich lernt Ihr Hund Sie als Spielpartner kennen und schätzen und wird dann nicht mehr den Drang verspüren, die Spaziergänge ohne Sie spannend zu gestalten, sondern wird mehr in Ihrer Nähe sein wollen. Vorausgesetzt natürlich, Sie lassen ihn häufig gewinnen und er bleibt motiviert. Kein Hund wird die Weltherrschaft an sich reißen wollen, nur weil er beim Zerren die Beißwurst davonträgt. Dazu bedarf es schon ein bißchen mehr. Er wird eher mit seiner ‚Beute‘ wieder zu Ihnen kommen und mehr Spiel einfordern! Es ist ein tolles Gefühl, wenn Ihr Hund mit freudig-strahlenden Augen zu Ihnen gelaufen kommt und unbedingt mit Ihnen weitermachen will. Lassen Sie sich ruhig darauf ein!

Sie sehen also, es gibt einige Gründe, warum Sie mit Ihrem Vierbeiner häufig spielen und toben sollten!

fsit_by_Klaus Steves_pixelio.deRegeln und Kriterien für Spiel

Grundsätzlich ist es egal, ob sie erstmal mit Futter, mit Spielzeug oder mit vollem Körpereinsatz spielen. Manchen Hunden fällt der Einstieg mit einem Spielzeug leichter, bis dann der Knoten geplatzt ist. Für Spiel brauchen Sie zu Anfang ein entspanntes Umfeld. Weder Sie noch Ihr Hund werden sich unter starker Ablenkung auf ein ausgelassenes Spiel einlassen können. Wenn Sie daran denken im Garten zu spielen, aber nicht zur Belustigung der Nachbarn beitragen wollen, dann beginnen Sie doch im Haus. Für den Fall, dass Ihre Wohnung keinen Raum für ausgiebiges Spiel mit Ihrem Vierbeiner läßt, können Sie auch ‚Eintritt‘ von eventuellen Zuschauern am Gartenzaun oder Wegesrand nehmen.

Damit Spiel für beide Spielpartner Spaß macht und die Motivation erhalten bleibt, braucht es auch Freiwilligkeit. Ich kann meinen Hund selbstverständlich nicht zum Spiel zwingen, wohl aber überprüfen, ob ich – wie schon erwähnt – für den Anfang ein passenderes Umfeld finde. Also bloß nicht verzweifeln oder zu schnell aufgeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt.

Ganz klar ist zu sagen, dass Spiel keine Zielsetzung hat. Im Spiel geht es um Spiel. Grenzen werden aufgehoben. Deshalb ist es auch weiter nicht schlimm, wenn Ihr Hund Sie im Spiel plötzlich anspringt.

fsit_by_Uschi Dreiucker_pixelio.deAber woran erkenne ich Spiel?

Wenn Sie Hunde im Freilauf beobachten und es den Anschein hat, dass gerade ein Spiel im Gange ist, sollten Sie sich ein paar Fragen stellen.
Findet ein häufiger Rollentausch statt? Wird der ‚Jäger‘ auch einmal zum ‚Gejagten‘? Achtung: Wenn Sie das so nicht beobachten, handelt es sich u.U. um Mobbing und Sie sollten das Geschehen kurz unterbrechen oder je nach Heftigkeit auch ganz unterbinden. Schließlich sind Sie für die körperliche Unversehrtheit Ihres Hundes verantwortlich.

Zeigt einer der Hunde im Spiel das sogenannte Selbsthandicap? Macht sich beispielsweise der größere Hund für sein Gegenüber etwas kleiner? Wird der schnellere Vierbeiner vielleicht langsamer? Ein weiteres Kennzeichen für Spiel ist auch eine tiefe Körperhaltung, die sogenannte Vorderkörpertiefstellung.

Generell gelten übertriebene Bewegungen und Gesten (dazu gehört auch das Spielgesicht) als Kennzeichen für Spiel. Und auch als Mensch können Sie sich Anschleichen, Wegschleichen und Sie können durch Erstarren und durch ruckartige Bewegungen Spannung aufbauen.

Wagen Sie ein Experiment! Begegnen Sie Ihrem Hund auf Augenhöhe und spiegeln Sie seine Körpersprache im Spiel. Das kann auch bedeutet, dass Sie für eine Zeit auf allen Vieren auf der Wiese unterwegs sind. Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen!

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Ein weiteres Märchen dreht sich um das Spiel mit dem Ball. Ist das wirklich Spiel, wenn der Ball fliegt? Bei genauerem Hinsehen, werden Sie keines der o.g. Kennzeichen beim Wurfspiel mit dem Ball beobachten können.

Daher ist Vorsicht geboten. Ballspiel birgt ein gewisses Suchtpotential, wenn der Hund wie ferngesteuert nur noch hinter dem Ball herjagt und völlig egal ist, wer das Objekt der Begierde bedient. Sie werden so ungewollt zur Ballwurfmaschine und jederzeit austauschbar! Das liegt daran, dass auch bei dieser Handlung die Selbstbelohnungsdroge Dopamin ausgeschüttet wird. Dummerweise jedoch nicht in Ihrer Nähe, sondern von Ihnen weg in einiger Entfernung (dort, wo der Hund den Ball wieder einsammelt) und Sie wollen doch das genau Gegenteil, nämlich Nähe und Vertrauen in Ihrer Mensch-Hund-Beziehung!

Nicht nur der Mensch, auch der Ball lässt sich hier austauschen. Es gibt Hunde, die sind auf andere Gegenstände fixiert und kaum mehr ansprechbar, sobald sie den Gegenstand entdeckt haben. Also die Situation immer genau beobachten! Überspitzt gesagt, würden Sie einem Drogenabhängigen auch nicht die Spritze reichen, sondern ihm dringend einen Entzug ans Herz legen.

Für den Bewegungsapparat des Hundes sind Ballspiele etc., bei denen der Hund aus hoher Geschwindigkeit eine Vollbremsung hinlegt, um ein Objekt einzusammeln oder zu fangen ebenfalls eine unnötige Belastung. Wenn Sie dennoch nicht auf gelegentliches Ballspiel verzichten wollen, reduzieren Sie die Häufigkeit und vermeiden Sie ‚Kaltstarts‘, um Verletzungen vorzubeugen.

Sinnvoller sind in jedem Fall gemeinsame Jagd- und Rennspiele, körperliches Rangeln oder Raufen oder Zergeln um eine Beißwurst oder ein Zerrseil. Wenn Ihr Hund tendenziell schnell auf 180 ist, machen ruhigere Spiele und gemeinsame Aktivitäten grundsätzlich mehr Sinn. Sie können beispielsweise auch Futter einsetzen. Fragen Sie sich zuerst, was ist meinem Hund wichtig, Futter oder Spielzeug. Danach entscheiden Sie. Oder Sie verzichten öfter mal ganz auf Futter oder Spielzeug und spielen mit vollem Körpereinsatz. Dabei sparen Sie sich auch ganz nebenbei den Gang ins Fitneßstudio!

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Raufen und Toben mit Ihrem Vierbeiner!

Friederike Stracke
Mensch Dein Hund

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