Mein Tanzbereich!

‚Das ist dein Tanzbereich. Und das ist mein Tanzbereich.‘ So lautet das bekannte Zitat aus dem Film Dirty Dancing. Und schnell haben wir dabei die berühmte Szene mit Baby und Johnny vor Augen.

Was hat dieses Zitat mit uns und unseren Hunden zu tun?

Nun, ich kann Ihnen versichern, dass es sehr viel damit zu tun hat. Die Spaziergänge mit unseren Hunden könnten viel entspannter sein, wenn wir Hundebesitzer auf die Bedürfnisse unserer Hunde mehr Rücksicht nehmen würden.

Sehr weit ausholen muss ich für die Erklärung nicht. Wir Menschen mögen es nicht, wenn uns jemand zu nahe kommt und uns ‚auf die Füsse tritt‘. Egal ob körperlich oder verbal. Lustig wird es, wenn uns im Supermarkt jemand von Hinten den Einkaufswagen in die Hacken schiebt, weil es an der Kasse nicht schnell genug geht. Das empfinden wir dann schon als Provokation.

Hunde haben eine andere Individualdistanz als wir Menschen. Sie reagieren bereits aus Entfernung auf andere Hunde und empfinden dabei die frontale Annäherung eines Artgenossen als Konfrontation.

Wenn Sie Hunde im Freilauf beobachten, werden Sie schnell feststellen, dass ‚höfliche‘ Hunde niemals direkt aufeinander zugehen um sich zur Begrüßung die ‚Hände zu schütteln‘, so wie wir Menschen. Meist laufen sie in einem enger werdenden Bogen aufeinander zu. Mit der Hundenase am Hinterteil des anderen Hundes wird erschnüffelt, mit wem sie es zu tun haben.

Bei Hunden, die an der Leine geführt werden, ist dies so nicht möglich. Die Leine blockiert. Keiner kann ausweichen. Die Hunde sind in ihrer Kommunikation stark eingeschränkt. Wir Menschen erwarten also etwas von unserem Hund, was er von Natur aus nicht leisten kann. Hiermit meine ich, entspannt an einem Artgenossen vorbeizulaufen, der ihm direkt z.Bsp. auf einem Gehweg entgegenkommt. Wenn Ihr Hund dann im Näherkommen mit Nackenhaare aufstellen, Bellen oder Knurren reagiert, zeigt er,dass er den anderen Hund gar nicht näher bei sich haben möchte.

Wir bringen unseren Hund in eine Konfliktsituation, in die er gar nicht erst gehen würde. Hätte er Bewegungsfreiheit und somit die Wahl, könnte er dem anderen Hund z.Bsp. durch Beschwichtigungsgesten wie Schnauze lecken, Kopf abwenden oder Schnüffeln signalisieren, dass er nicht auf Konfrontation aus ist.Hundebegegnung

Wie würden Sie es finden, wenn ständig jemand in Ihren Wohlfühlbereich eindringen würde?

Sie laufen durch die Fußgängerzone und jeder stürmt auf Sie zu und drückt Sie. Auch Menschen, die Sie vorher noch nie gesehen haben! Oder Ihr Mann/Ihre Frau verlangt von Ihnen, dass Sie Ihren Nachbarn, den Sie auf den Tod nicht ausstehen können, jedesmal herzlich Umarmen, wenn Sie sich sehen. Wie fühlt sich das an? Irgendwann sehen Sie sich gezwungen, Ihrer Umgebung deutlicher zu signalisieren, dass Sie das so nicht wollen.

So verwundert es nicht, dass Hunde immer heftiger in der Begegnung mit Artgenossen reagieren. Ihre anfänglichen Signale nimmt ihr Mensch nicht wahr, also sehen sie sich dazu veranlasst, sich noch deutlicher auszudrücken.

Was tun?

Im besten Fall passieren Sie andere Menschen mit ihrem Hund in einer gewissen Distanz, die beiden Hunden genug Bewegungsfreiheit lässt. Frei nach dem Motto: ‚Das ist dein Kommunikationsbereich. Und das ist mein Kommunikationsbereich.‘ Wenn sich Ihnen ein anderer Hundehalter mit seinem Hund unerwünscht nähert, teilen Sie ihm dies sofort – aber bitte freundlich – mit!

Wenn Sie sich dennoch Kontakt zwischen den Hunden wünschen, können Sie dies ebenfalls mit dem anderen Hundebesitzer abklären und die Hunde in entsprechender Umgebung von der Leine lassen. Möglichkeiten gibt es immer. Auch wir Menschen müssen dafür kommunizieren können.

In diesem Sinne wünsche ich mehr Verständnis und Respekt für Mensch und Hund im Alltag und natürlich viele entspannte Spaziergänge!

4 Antworten auf Mein Tanzbereich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *