Schon gewusst?

Nachfolgend mein neuer Artikel  – auch zu finden im Bello Ausgabe 3/2014.
Bello – Das Magazin für Hundefreunde im MK & Hagen

Änderung des Tierschutzgesetzes –

Erlaubnispflicht für Hundetrainer nach § 11 Abs. 1 Nr. 8f TSchG

Die Gesetzesänderung bedeutet, wer ab dem 1. August 2014 gewerbsmäßig für Dritte Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.

Nachweis der Sachkunde

Demnach benötigen alle Hundeausbilder, Hundetrainer, Hundeverhaltenstherapeuten und -psychologen eine Genehmigung des zuständigen Veterinäramtes. Sie müssen ihre Sachkunde durch einen anerkannten Qualifikationslehrgang nachweisen. Vordergründig will man durch diese Änderung des Tierschutzgesetzes im Sinne der Tiere und des Tierschutzes bestimmte Mindestqualitätsstandards sicherstellen.
So weit so gut. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Bisher konnte sich jeder Hundebegeisterte einfach Hundetrainer nennen und dann als solcher arbeiten. Folglich gibt es Hundetrainer und Hundeschulen inzwischen wie Sand am Meer. Der Gedanke hinter dieser Gesetzesänderung klingt somit grundsätzlich erstmal positiv, wirft jedoch bei näherer Betrachtung einige Fragen auf!

Der Teufel steckt im Detail

Bedauerlicherweise gibt es – was die Umsetzung dieser Änderung des Tierschutzgesetzes betrifft – keine bundeseinheitliche Regelung. Die Gesetzesänderung scheint im Detail nicht zu Ende gedacht. Die erwähnten Mindestqualitätsstandards sind scheinbar bisher nicht genau definiert. Welche Auswirkungen wird die Erlaubnispflicht beispielsweise auf Vereine und deren Trainer haben, die ja meist ehrenamtlich arbeiten. Bekommen sie die Erlaubnis automatisch? Auch ist nicht klar, welche Qualifikationen überhaupt anerkannt werden und nach den ersten Erfahrungen scheint dies auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt zu sein. Im Einzelnen könnte dies bedeuten, dass der eine oder andere Trainer noch eine Prüfung ablegen muss. Zusätzlich zur behördlichen Genehmigung ist dies mit weiteren Kosten verbunden. Die Vermutung liegt nahe, dass man hier nur eine alternative Möglichkeit gefunden hat, die Kassen der Länder und Kommunen mit weiteren Einnahmen zu füllen.

Wer hat den Nutzen?

Inzwischen werden von verschiedenen Einrichtungen Sachkundelehrgänge angeboten, die auf die Prüfung der zuständigen Veterinärämter vorbereiten wollen bzw. von diesen anerkannt werden sollen. Man verweist jedoch direkt darauf, dass der Lehrgang der Behörde erst noch zur Prüfung vorliegt und somit bisher nicht anerkannt wird. Was ist denn da los? Außerdem drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage auf, wer hier die Inhalte festlegt? Die Reihenfolge scheint hier nicht ganz stimmig zu sein. Ein paar schlaue Köpfe scheinen auch hier weitere Einnahmequellen zu wittern und die momentane Verwirrung und Orientierungslosigkeit in der Hundeszene für sich nutzen zu wollen.

Hundetrainer und Hundehalter zeigen sich in der Folge gleichermaßen verwirrt. Wer hier noch den Überblick behält, Hut ab! Das kann und darf nicht Sinn und Zweck einer solchen Gesetzesänderung sein. Wo hier im Sinne der Tiere und des Tierschutzes entschieden wurde bleibt mir bislang schleierhaft.
Gesetz den Fall, eine Hundeschule oder ein Hundetrainer besteht die Überprüfung durch das Veterinäramt nicht. Was passiert dann? Wie geht es dann im Einzelfall weiter? Darf er oder sie dem Beruf nicht mehr nachgehen? Würde tatsächlich ein Berufsverbot ausgesprochen? Gibt es eine Möglichkeit, eine weitere Prüfung abzulegen oder muss nun erstmal jeder um seine Existenz als Trainer fürchten?

Für die Tiere und den Tierschutz

Abschließend kann ich nur hoffen, dass die Einführung dieser Gesetzesänderung nicht dazu führt, dass nur noch nach einer bestimmten Trainingsphilosophie mit den Menschen und ihren Hunden gearbeitet wird. Sondern tatsächlich im Sinne der Tiere und des Tierschutzes entschieden wird und dabei im Umgang mit Mensch und Tier die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse Berücksichtigung finden. In der Theorie wird hoffentlich nicht noch auf veraltete Fachbücher gesetzt. Viel Praxis sollte meiner Meinung nach im Vordergrund stehen. Und auf einen positiven Umgang mit Hund und Halter sollte Wert gelegt werden. Es sollte sichergestellt sein, dass der Ratsuchende Hundehalter diesen auch findet. Egal nach welcher Philosophie der jeweilige Trainer arbeitet, vorausgesetzt, dass Training erfolgt unter liebevoller Anleitung und führt letztlich zu einem harmonischen Miteinander zwischen Zwei- und Vierbeiner. Denn jede Mensch-Hund-Beziehung ist einzigartig und daher auch als solche zu betrachten, schließlich bringt jedes Lebewesen seine bisherigen Lernerfahrungen und individuellen Bedürfnisse in die Beziehung mit ein. Hier nur nach einem bestimmten Schema vorzugehen wäre meiner Meinung nach der völlig falsche Ansatz und demnach wenig hilfreich für alle Beteiligten. Auch darf eine erteilte Erlaubnis nicht als Qualitätssiegel missverstanden werden, sagt sie doch erstmal wenig bis gar nichts über die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Trainer und Hundeschulen aus. Sie bescheinigt lediglich, dass der jeweilige Trainer oder die die Hundeschule die von der Behörde gestellten Mindestanforderungen erfüllt hat. Wie das im Detail aussehen wird, bleibt nun abzuwarten.

Hoffen wir, dass die nächsten Wochen mehr Klarheit für uns alle bringen.
In diesem Sinne wünsche ich viele entspannte Spaziergänge!

Friederike Stracke
Mensch Dein Hund

weitere Informationen zum Thema finden sich übrigens auch hier Arbeitsgemeinschaft § 11

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